Dieser Beitrag stammt ursprünglich von youthmag.de

Ein Stipendium kann eine gute Möglichkeit sein, das Studium zu finanzieren – vor allem dann, wenn man kein Bafög erhält, weil die Eltern zu viel verdienen oder man zu oft das Studienfach gewechselt hat. Neben Geld gibt es bei den meisten großen Begabtenförderungswerken auch ideelle Förderung, die den Berufseinstieg erheblich erleichtern kann. Man hat nicht nur die Möglichkeit, Netzwerke zu knüpfen und an Veranstaltungen teilzunehmen, sondern auch Weiterbildungsmöglichkeiten in Form von Seminaren, Workshops und Studienreisen ins Ausland.

Wie bei den meisten anderen Begabtenförderungswerken beginnt der Bewerbungsprozess beim evangelischen Studienwerk mit einem Empfehlungsschreiben einer Lehrperson von einer Schule oder Hochschule. Zudem braucht man ein Empfehlungsschreiben von einem ehrenamtlichen Träger. Dabei reicht es (leider) nicht, Kinder in einem Sportverein zu trainieren oder nur regelmäßig auf Demos zu gehen, das Empfehlungsschreiben muss von einer Einrichtung oder Institution ausgefüllt werden, die genau angibt, wie oft man dort ehrenamtlich tätig ist und welche Aufgaben man dort seit wann erfüllt.

Wichtig für die Stipendienbewerbungen ist wahrscheinlich zu wissen, dass man solche Empfehlungsschreiben für fast alle Stipendien schon mit der Bewerbung einreichen muss. Man muss also beim Bewerbungsprozess bedenken, dass diese für jeden Stipendiengeber, bei dem man sich bewirbt, extra ausgefüllt werden müssen und dass dies auch einige Zeit dauern kann – wenn deine Lehrer:innen z.B. gerade in den Ferien sind.

Sofern man das Stipendium erhält, wird das Studium mit einem Geldbetrag gefördert, der analog zur Höhe des Bafögs ist. Die Förderung ist Elternabhängig – mit wenigen Ausnahmen. Verdienen die eigenen Eltern sehr gut, bekommt man aber trotzdem noch 300 Euro pro Monat und zusätzliches Geld für Auslandsaufenthalte, Fahrtkostenerstattungen oder ähnlichem.

Nach der Bewerbung kommt man im besten Fall in die nächste Auswahlrunde und wird zu einem Vorgespräch eingeladen. Dies kann auch digital oder in der nächstgrößeren Stadt stattfinden. Für die Hauptauswahl muss man beim evangelischen Studienwerk in das Haus Villigst in Nordrhein-Westfalen fahren und sich dort zwei Tage lang verschiedenen Tests und Aufgaben stellen.

Die Stipendiengeber interessieren sich für die eigene Motivation und den persönlichen Bezug zum Glauben, allerdings muss man nicht zwingend evangelisch und christlich glauben – auch kritische Ansätze sind willkommen. Im Vorgespräch werden neben Fragen zum Lebenslauf und Werdegang auch Fragen zur Studienmotivation und aktuellen, politischen Themen gestellt. Manchmal muss man Dinge einfach nur wissen, manchmal aber auch eine Positionierung abgeben, etwa zur Wehrpflicht in Deutschland oder neuen Gesetzesänderungen. Wichtig ist, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, wenn man eine Frage nicht beantworten kann – diese Situation erlebt fast jede:r.

Im Hauptauswahlgespräch wird es dann schon schwieriger. Zwei der vier Aufgaben, die man meistern muss, sind Gruppenarbeiten. Einmal muss man eine Diskussion zu einem gestellten Sachverhalt führen, im zweiten Gruppengespräch sollte man problemorientiert diskutieren und sich auf eine Lösung einigen können. Dazu kommt ein dreiminütiger Vortrag, der über ein beliebiges Thema sein darf. Am nächsten Tag folgt ein etwa 30-minütiges Fachgespräch. Dabei können aber nicht nur Fragen zu den eigenen Studieninhalten, sondern auch Allgemeinwissensfragen gestellt werden. Damit gewährleistet ist, dass man fachlich gut geprüft werden kann, sind die Bewerber:innen in Fachgruppen unterteilt.

Schon weniger als zwei Wochen nach dem Hauptauswahltermin in Villigst erhielt ich eine E-Mail, in der mir mitgeteilt wurde, dass ich als Stipendiatin aufgenommen wurde. Dafür bin ich sehr dankbar, denn ich kann nun meine ehrenamtlichen Tätigkeiten neben dem Studium weiterführen und bin finanziell unabhängiger. Der Bewerbungsprozess für ein Stipendium ist langwierig und klingt kompliziert – kann sich am Ende aber wirklich sehr lohnen, wenn man durchhält.




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